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Autowäsche mit Bergblick – SN, 10.02.17

Der Salzburger Mineralölhändler Leikermoser expandiert trotz Tankstellensterbens weiter in andere Bundesländer. Tanken allein, das war einmal.

GERALD STOIBER

ANIF, WALS. Möglichst billig, unkompliziert und ohne Schnickschnack – so soll das Tanken für die meisten Autofahrer sein, denken viele. Doch die Zahl der Kunden, die nur zu Automatentankstellen ohne jeden Service fahren,weil sie auf die Ersparnis von wenigen Cent Wert legen, sei beschränkt und mehr oder weniger ausgereizt, sagt Franz Leikermoser, Geschäftsführer und Mehrheitseigentümer der gleichnamigen Salzburger Mineralölhandelsfirma. „Wenn es wo Probleme gibt, dann immer bei Automatentankstellen“, erklärt der 59-jährige Unternehmer aus langjähriger Erfahrung.

Von den rund 30 Tankstellen, die seine Firma in vier Bundesländern betreibt, entfällt etwa dieHälfte auf die eigene Marke LM Energy und die andere auf die seit Jahrzehnten etablierte internationale Marke BP. „Die größten Zuwächse haben wir im Qualitätsbereich“, betont Leikermoser. Schon seit Langem heißt es in der Tankstellenbranche, nur das Geschäft mit Zusatzleistungen wie eben Reiseproviant oder Lebensmittel und Autowäsche bringe Geld, die Tankstelle sorge für Frequenz. „Das schnelle Geld ist in unserer Branche nicht zu verdienen“, erklärt Franz Leikermoser.

Dazu passen auch die nächsten Projekte des Unternehmensmit Sitzen in Anif und Wals bei Salzburg. Sowohl die Keimzelle der Firma, der Standort BP-Tankstelle in Neu-Anif samt Waschstraße, als auch der großzügigere Standort an der Bundesstraße in Wals werden demnächst total umgestaltet. Hervorstechen soll dabei die neue Waschstraße in Wals. Geplant ist ein 60 Meter langer Glastunnel, der elegant vor der Silhouette des Untersbergs platziert wird.

Eine neuartige Kooperation geht Leikermoser im Innviertel mit der dortigen Lagerhausgenossenschaft ein. „In Geinberg entsteht eine große BP-Station für Pkwund Lkw“, erklärt Leikermoser. Dazu wurde ein Joint Venture gegründet. An der gemeinsamen Firma LHLM hält das Lagerhaus Innviertel 70 Prozent, 30 Prozent entfallen auf Leikermoser. Bisher war der Salzburger Tankstellenbetreiber in Oberösterreich nur in Altmünster am Traunsee mit einer eigenen Station vertreten.

Zudem hat Leikermoser im Jahr 2015 in Landeck das Familienunternehmen Mineralöl-Express Pfeifer übernommen, von wo aus das Tiroler Oberland mit Heizöl und Treibstoffen beliefert wird. Im Vorjahr wurde die Präsenz in Vorarlberg ausgebaut. In Bludenz und St. Gallenkirch (Montafon) wurde umgebaut, bei dem von der Spar-Tochter SES betriebenen Einkaufszentrum Zimbapark in Bludenz-Bürs wurde eine Tankstelle erworben. Bei dieser LM-Energy-Station ging eine der modernsten Waschstraßen in Betrieb. Bei diesem Konzept (Car Wash Factory) werden mindestens 70 Prozent des Wassers wiederaufbereitet, was laut Leikermoser rund 15 Millionen Liter Frischwasser im Jahr einspart.

Allein im heurigen Jahr werden zwischen fünf und sechs Millionen Euro investiert, sagen Franz Leikermoser und SohnMarkus, der inzwischen ebenfalls Geschäftsführer ist. Der Vater hat die Nachfolge geklärt und dem Junior im Vorjahr 40 Prozent der Anteile übertragen. Gegründet hatten das Unternehmen Franz Leikermosers Eltern 1956, als sie neben ihrer Pension eine Aral-Tankstelle bauten. Als der Sohn die Firma 1992 übernahm, hatte sie vier Mitarbeiter. Heute beschäftigt der Mineralölhändler rund 120 Mitarbeiter und setzte im Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende Juni) 268 Mill. Euro um.

„An Hauptrouten kommst du an einer großen Marke nicht vorbei“, sagt Franz Leikermoser. Sein Sohn ergänzt: „Premium-Treibstoffe sind deutlich besser.“ Die Expansionspläne werden auf firmeneigenen Grundstücken umgesetzt. Insgesamt besitze man rund 155.000 m2 Bauland. Das zähle als Eigenkapital und helfe der Firma sehr, sagt der Juniorchef. Allein in Wals ist das Areal 5500m2 groß.

Über die weiteren Schritte sagen beide Firmenchefs: „Wir wollen nicht die Größten werden, sondern Leadership in der Dienstleistung haben.“ Dazu gehört auch, dass die zu den Tankstellen gehörigen Shops weiterhin selbst betrieben werden:mit rund 1800Artikeln, das entsprach früher dem Sortiment eines kleinen Nahversorgers. „Wir wollten eigenständig bleiben“, sagt Franz Leikermoser, sowohl beim Sortiment als auch beimPreis. Markus Leikermoser ergänzt: „Wir gehen im Lebensmittelbereich fast auf den Supermarktpreis.“

Generell wird das Tankstellensterben weitergehen, heißt es bei Leikermoser. Es sei eine neue Verordnung für brennbare Flüssigkeiten in Vorbereitung, die zum Beispiel strengere Vorschriften für Tanks und die Verrohrung bringe. „Da werden viele verschwinden“, sagt Franz Leikermoser, wenn die entsprechenden Investitionen nicht finanzierbar sind.

Auch die Elektromobilität wird für Tankstellenbetreiber ein Thema. Derzeit hat die Firma Leikermoser an ihren Tankstellen aber noch keine Ladestationen installiert – die Kosten seien für die wenigen Kunden einfach noch zu hoch.

 – Salzburger Nachrichten, am 10.02.2017

 

Originalartikel:
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